Wilfried Satke Komponist · gj · bj · cj · dj

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Schach

für Vokalensemble (Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Bass),
Percussion (Röhrenglocken, Tempelblock, Tamburin [Schellenring]),
Streichquartett und Zuspielung

Texte von Rose Ausländer und Wilfried Satke (nach Francesco Petrarca).

7 Minuten
für den HORTUS MUSICUS

Schach verbindet die Umsetzung einer Schachpartie in halbszenische Musik mit Texten von Rose Ausländer (hundertster Geburtstag 2007 !), die um das Thema Schweigen kreisen.
Die Partie wurde 1958 zwischen Bobby Fischer und Charles Kalme in New York ausgetragen (und von ersterem für sich entschieden).

Aufführungspraktisches

Für alle 5 VokalistInnen sind "Doppelrollen" vorgesehen:
Alt und Tenor spielen die Schachpartie
Sopran spielt Tamburin + Tempelblock
Bariton dirigiert
Bass spielt Röhrenglocken

Es sind nicht unbedingt alle 10 Röhrenglocken (C,Db,D,Eb,E,F,G,Ab,A,Bb) notwendig, es genügt auch je eine aus dem "weißen" (DEFGAH) und dem "schwarzen" Hexachord (C,Db,Eb,Gb,Ab,Bb)

Die Sechzehntel-Sextolen (-Triolen) der Streicher sind lediglich als ausgeschriebene Triller zu verstehen und müssen daher nicht exakt rhythmisiert werden. Das gleiche gilt für das Tamburin, das stets parallel mit einem Triller zum Einsatz kommt.

Schön wäre es, wenn der Verlauf der Schachpartie (bis Takt 228 [.E]) über Video-Monitore oder mittels Video-Projektion mitverfolgt werden kann.

In der (optionalen) Zuspielung (ab Takt 235) kommen sehr tiefe Frequenzen zum Einsatz, weshalb ein Lautsprechersystem mit gutem Subwoofer oder ein Bassverstärker die Mittel der Wahl sind.

Die Umsetzung
Den Feldern des Schachbrettes...

notes4chess.png

... werden Tonhöhen zugeordnet. Es gibt einen "weißen" (DEFGAH) und einen "schwarzen" Hexachord (C,Db,Eb,Gb,Ab,Bb). Im "Süden", wo die weißen Steine Aufstellung nehmen, sind nur geringe Tonhöhenunterschiede zwischen benachbarten Feldern, während es im hohen "Norden" schon ziemlich gebirgig wird.

Bei jedem Zug erklingen die Töne des Ausgangs- und des Zielfeldes, auch dazwischenliegende Felder sind (falls vorhanden) kurz zu hören. Der Ton des Zielfeldes bleibt 2 (Doppel-) Züge lang zu hören, es sei denn, die Figur zieht weiter oder wird geschlagen. Der Rhythmus richtet sich nach der geometrischen Position auf dem Schachbrett.

Die unterschiedlichen Schachfiguren erfahren folgende Charakterisierung:
Bauern
Turm
Läufer
Springer
Dame
König
klingen 1 Oktav höher
spezieller Rhythmus (rasche Tonwiederholung)
(modale) Terz (bzw. Quart)
Vorschläge + Staccato
Septakkord
Quint
Bestimmte Ereignisse haben klangliche Korrelationen:
Eine Rochade wird mit einem Doppelglissando der Streicher begleitet.
Wird eine Figur bedroht, ist ein Triller zu hören.
Bedroht eine Figur gleich mehrere gegnerische Figuren, wird der Triller mit dem Tamburin unterstützt.
Wird eine bedrohte Figur gedeckt, so ist das durch ein Pizzicato (bzw.: Tempelblock) zu hören.
Wird eine Figur geschlagen, erklingt die entsprechende Röhrenglocke.
Ein Schachgebot geht mit einem Vokal-Akkord einher.
Erreicht ein Bauer die gegnerische Grundlinie und verwandelt sich in eine andere Figur, so wird dieses Ereignis mit einem vokal-instrumentalen Doppelglissando charakterisiert.
Das Ende
Da die meisten Schachpartien nicht bis zum "bitteren" Ende (Schachmatt) gespielt werden, sondern durch ein Remisangebot oder durch Aufgabe enden (wie im konkreten Fall), gibt es auch kein zwingendes musikalisches Ende. Dank der Kombination mit Lyrik kann der (gespielte) Ernst des Spiels als Symbolisches Handeln im (gespielten) Ernst des Lebens aufgefasst werden und in diesen überblenden.