Triosonatke

Musica Dolce Wienfür Blockflöte, Violine und Gitarre
UA: 17. 06. 1995 in Wien durch Musica Dolce Wien

Die Triosonatke entstand in den ersten Monaten des Jahres 1995 im Auftrag des Ensembles »Musica Dolce Wien«. Name und Zusammensetzung des Ensembles lieferten auch die ersten Assoziationen für die Struktur des Stücks:
Da es sich um ein Trio handelt, war die Form der Triosonate bald eine beschlossene Sache.
Das »Dolce« bewog mich, zumindest einen süßen Satz zu komponieren, aber um diesen herum ein mehrgängiges Menu verschiedener Geschmacksqualitäten zu arrangieren.
Schließlich wurde ich der Ortsangabe »Wien« dadurch gerecht, daß ich dem gesamten Werk zwei Wienerlieder zugrunde legte, nämlich »O du lieber Augustin« und »Mir is ållas ans«, also zwei zutiefst bittere Angelegenheiten, wodurch auch schon die Geschmacksrichtung des Kopfsatzes feststand.

bitter - Gewissermaßen »originalgetreu« werden die beiden Wienerlieder vorgestellt. Von »Komposition« kann eigentlich noch keine Rede sein.

süß - Der zweite Satz erhält seine rhythmische Struktur (nach einer Methode Boris Blachers) durch »variable Metren« : Jeder Takt in einem anderen Metrum, nach der feststehenden Reihenfolge: 11/8 • 9/8 • 7/8 • 5/8 • 3/8 • 5/8 • 7/8 • 9/8 • 11/8 • 13/8 • 15/8 • 13/8.
Dieser Zyklus wird in 5 Variationen durchlaufen, wobei jedes Instrument auch solistisch zum Zuge kommt.

pikant - Die klangliche Pikanterie dieses Satzes wird auf zweierlei Art hervorgerufen:
1. Durch den Einsatz von »Multiphonics« der Blockflöte: Zwei- und mehrstimmige »Akkorde«, deren Komponenten zumeist außerhalb des Tonsystems liegen.
2. Durch Präparieren einzelner Saiten von Violine und Gitarre mit kleinen Gewichten, weit entfernt vom Schwerpunkt der Saite, wodurch ein völlig anderes (»unharmonisches«) Obertonspektrum entsteht, ähnlich dem einer Glocke oder eines Gongs.
Die beiden Wienerlieder liegen dem Geschehen als cantus firmus zugrunde, sind aber in der zeitlich dermaßen gestreckten Gestalt kaum noch zu verfolgen.

herb - Konsequente Dreiteiligkeit auf allen Ebenen prägt das (nicht spektakuläre, aber herbe) rhythmische Gefüge dieses Finalsatzes: Die kleinsten rhythmischen Einheiten, Sechzehntelnoten, gruppieren sich in Dreiergruppen, deren drei einen 9/16-Takt ergeben. Dreitaktige Phrasen und neuntaktige Perioden setzen das Prinzip in die Makrostruktur fort.