Wilfried Satke Komponist · gj · bj · cj · dj

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r-pentomino

Hommage à John Horton Conway

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2012

Die Spielregeln sind so einfach: Neubesiedlung: 3; Überleben: 2 oder 3;
die Konsequenzen jedoch sind dermaßen komplex, dass der Name Game Of Life, den John Horton Conway seinem legendären Zellular-Automaten gegeben hat, keineswegs weit hergeholt erscheint.

Form_r-pento.gifDas r-pentomino ist ein unscheinbares (entfernt r-förmiges) Gebilde aus 5 Feldern, das im Lauf der Generationen ein wahres Feuerwerk aus Formen und Bewegungen hervorbringt und zur (vorübergehenden) Besiedlung von vergleichsweise riesigen Gebieten führt. Erst nach über 1100 Generationen kommt die Entwicklung in stabilen (bzw. oszillierenden) Formen zu einem Stillstand.

Meine Komposition r-pentomino stellt den Versuch dar, eben jene Entwicklung über 1105 Generationen klanglich nachzuzeichnen, die betörende abstrakte visuelle Ästhetik des Game Of Life in Musik umzusetzen.

Umsetzung

Die Perspektive des Beobachters ändert sich während des Geschehens kontinuierlich, d.h.: die Bilder werden von Generation zu Generation in 2°-Schritten gedreht, bevor sie mit Hilfe der Software Coagula (ein “image-synth”) zu Frequenzmustern gerendert werden. Dadurch (und durch die Struktur des Spiels an sich) ergeben sich tonale und rhythmische Mikro-Varianten, wie wir sie aus der minimal-music kennen.

r-pento_stabile_Formen

Während des Spielverlaufs treten immer wieder auffällige stabile bzw. oszillierende Formen auf, die ihre Gestalt nicht mehr verändern (bzw. zwischen 2 oder mehr Zuständen oszillieren), bis sie eine Störung/Anregung von außen erfahren. Diese Strukturen werden auch in der klanglichen Umsetzung gesondert behandelt.

r-pento_oszill.Formen

Auf einer karierten, unendlich großen Spielfläche hat jedes Feld 8 Nachbarfelder (4 orthogonale und 4 diagonale). Ein Feld kann besetzt (besiedelt) oder leer sein.
Für eine Neubesiedlung eines Feldes ist es erforderlich, dass in der vorigen Generation exakt 3 Nachbarfelder besiedelt waren.
Für das Überleben einer Population auf einem Feld ist es erforderlich, dass 2 oder 3 Nachbarfelder besiedelt sind.
Hat ein besiedeltes Feld weniger als 2 oder mehr als 3 besiedelte Nachbarfelder, stirbt diese Population aus (bzw.: wandert ab) und das Feld bleibt in der nächsten Generation leer.