Der Rubik’s Cube besteht aus 26 Steinen: |
6 Zentralsteinen, |
Die 6 Farben werden im folgenden nach den englischen Bezeichnungen abgekürzt:
r |
|
red |
b |
|
blue |
p |
|
pink |
g |
|
green |
w |
|
white |
y |
|
yellow |
Die 6 Zentralsteine ändern nie ihre Position
zueinander, daher wird auch (in jedem Zustand) die ganze Fläche nach dem
Zentralstein benannt:
w |
bleibt immer die Deckfläche, |
y |
bleibt immer der Boden, |
r, b, p, g |
bilden die Seitenflächen. |
Den vier Mitwirkenden wird je eine Seitenfläche
zugeordnet. Im folgenden werden die vier Mitwirkenden nach ihrer Fläche
mit R, B, P, G bezeichnet.
Den 12 Kantensteinen werden die 12 Töne der temperierten chromatischen
Tonleiter zugeordnet, und zwar in höchst symmetrischer Weise:
Im geordneten Zustand (entspricht dem Ende des Prozesses) kommt auf jeder Fläche
ein Moll-Septakkord (Xm7) zu liegen. Die 3 Kantensteine, die sich jeweils um
einen Eckstein gruppieren, bilden in 6 Fällen einen Xsus4-Klang, in 2 Fällen
einen übermäßigen Dreiklang (X+). Die beiden letztgenannten
Ecken sind gewissermaßen ausgezeichnet, und werden daher als »Pole«
bezeichnet: Der Eckstein des »Nordpols« (brw) ist mit [*] gekennzeichnet,
der Eckstein des »Südpols« (gpy) mit [o]. Die Lage der beiden
Polsteine hatte in einer früheren Version von Rubikon eine Bedeutung, kann
aber in vorliegender Partitur ignoriert werden.
Legt man zwischen den beiden Polen eine Normalebene auf die Polachse (=Raum-Diagonale),
so wird der Würfel im »Äquator« geschnitten. Auf diesem
»Äquator« kommen stets 6 Kantensteine zu liegen (in der grafischen
Partitur nicht gekennzeichnet), die einen 6-tönigen »äquatorialen«
Modus repräsentieren, welcher in der Spielweise Vierklangsfolge von Bedeutung
ist.
In der grafischen Partitur ist ein konkreter
manueller Lösungsgang vom chaotischen zum geordneten Zustand des Rubik’s
Cube’s dokumentiert. Während dieses konkreten Prozesses nimmt der Rubik’s
Cube 97 Zustände an, was bei 4,32 x 10^19 möglichen Zuständen
sehr wenig ist. Daher stellt selbstverständlich jeder andere Lösungsgang,
der von einem chaotischen zum geordneten Zustand führt, eine legitime Realisierung
dieser Komposition dar, vorausgesetzt die Zuordnung der Farben und Töne
wird korrekt übernommen und die Spielregeln werden eingehalten. Rubikon
soll aber stets anhand eines manuellen Lösungsganges realisiert werden,
da die manuellen Lösungs-Strategien vorsehen, bereits erreichte Ordnung
vorübergehend wieder zu zersetzen, wodurch das erwünschte Pulsieren
von Ordnungsgraden gewährleistet wird.
Um die Aufführungsdauer von 45’ nicht zu überschreiten, sollte bedacht
genommen werden, daß in keinem Zustand länger als 30’’ verweilt wird.
Es sind vier Spielweisen vorgesehen, die je nach erreichtem Ordnungsgrad anzuwenden sind:
1. gebundene Improvisation
2. modale Fläche
3. Dreiklangsfolge
4. Vierklangsfolge
ist die Spielweise für den chaotischen
Zustand, wenn keine Fläche mehr
als 6 gleichfarbige Felder zeigt (trifft
auf etwa 50% aller Zustände zu).
Den vier Mitwirkenden wird je eine Seitenfläche zugeordnet. Allen Mitwirkenden
dienen die 4 aktuellen Töne der eigenen Fläche als Improvisationsgrundlage,
eine(r) der Mitwirkenden übernimmt die Aufgabe des Ostinatospiels. Diese
Aufgabe wird von Zustand zu Zustand immer reihum weitergegeben, stets in der
Reihenfolge R - B - P - G. Der notierte Ostinato-Rhythmus ist eine Ableitung
der Verteilung einer bestimmten Farbe (diejenige, die dem/der aktuellen OstinatospielerIn
zugeordnet ist) über die Gesamtfläche des Würfels.
Der/die OstinatospielerIn gestaltet den notierten Rhythmus mit seinen/ihren
4 Tönen, sollte dabei eine perkussive oder gar geräuschhafte Spielweise
wählen, und gibt damit auch Tempo und Dynamik vor. Es steht den Mitwirkenden
allerdings frei, auch über mehrere aufeinanderfolgende Zustände das
gleiche Tempo, gleiche Dynamik bzw. ähnlichen Charakter zu vereinbaren.
Die drei übrigen Mitspieler sind in der Gestaltung freier, lediglich an
ihre 4 Töne gebunden. Sie können auf die ostinate Vorgabe sowohl imitatorisch
reagieren, als auch in Kontrast treten bzw. in völliger Unabhängigkeit
agieren.
ist die angebrachte Spielweise, wenn mindestens eine Fläche genau 7 gleichfarbige
Felder zeigt.
Es gelten die gleichen Spielregeln wie bei der gebundenen Improvisation, mit
dem Unterschied, daß die Töne jener (zu 7/9 fertigen) Fläche(n)
weggelassen werden. Betrifft dies die Deck- oder Grundfläche, stehen den
Mitwirkenden nur je 3 Töne zu Verfügung, betrifft es eine (oder mehr)
Seitenflächen, pausieren die betreffenden SpielerInnen (dadurch kommt es
auch einmal, im Zustand 59, zu einem Solo für G, mit nur 2 Tönen).
Hat der/die OstinatospielerIn zu pausieren, wird der Zustand ohne Ostinato in
einem Rubato gespielt.
In jedem Fall kommen höchstens 8 Töne ins Spiel, wodurch sich ein
modaler Eindruck einstellt, der noch durch klanglich klare Spielweise unterstrichen
werden soll, auch der/die OstinatospielerIn sollte während modaler Flächen
von geräuschhaftem Spiel absehen.
ist die angebrachte Spielweise, wenn mindestens eine Fläche genau 8 gleichfarbige
Felder zeigt.
Die Dreiklänge, die sich um die 8 Ecken des Würfels gruppieren, bilden
das Ausgangsmaterial für diese Spielweise. Die Reihenfolge der Dreiklänge
ergibt sich grundsätzlich aus folgendem Schema: Beginn am Nordpol, eine
Runde um den Äquator, Ende am Südpol; da es sich jedoch sehr oft ergibt,
daß 2 Dreiklangsfolgen unmittelbar hintereinander auftreten und sich dabei
nur in den letzten 4 Dreiklängen unterscheiden, werden in so einem Fall
die redundanten Dreiklänge weggelassen. Die jeweils 4 unterschiedlichen
Dreiklänge der beiden aufeinanderfolgenden Zustände werden zu einer
Folge von 8 Dreiklängen zusammengehängt.
Die rhythmische Organisation der Dreiklangsfolgen gestaltet sich folgendermaßen:
SpielerIn R spielt den ersten Dreiklang, indem er/sie mit den 3 Tönen ein
3/8-Ostinato wiederholt (Tempo etwa 1/4=140).
Dann setzt B ein und gestaltet mit den 3 Tönen des zweiten Dreiklangs ein
4/8-Ostinato.
P bringt ein 5/8-Ostinato mit den 3 Tönen des dritten Dreiklangs.
Bevor G mit einem 6/8-Ostinato (4. Dreiklang) einsetzt, pausiert R.
Bevor R mit einem 7/8-Ostinato (5. Dreiklang) einsetzt, pausiert B.
Bevor B mit einem 8/8-Ostinato (6. Dreiklang) einsetzt, pausiert P.
Bevor P mit einem 9/8-Ostinato (7. Dreiklang) einsetzt, pausiert G.
Bevor G mit einem 10/8-Ostinato (8. Dreiklang) einsetzt, pausiert R.
Mit Ausnahme des ersten Ostinato (3/8), können und sollen alle Ostinati auch mit einzelnen Achtelpausen gestaltet werden.
ist die angebrachte Spielweise, wenn mindestens eine Fläche komplett einfarbig
ist.
Die Zustände mit komplett einfarbigen Flächen stellen gewissermaßen
die Knotenpunkte vorläufig erreichter Ordnung (bzw. Homogenität) dar,
auch das Ende von Rubikon ist ein solcher Zustand.
Dementsprechend sollen die Vierklangsfolgen (als die klanglichen Korrelate jener
Knotenpunkte) klanglich deutlich aus dem übrigen Geschehen herausleuchten.
Es ist eine möglichst flächige Spielweise anzustreben, perkussive
oder geräuschhafte Elemente sind tunlichst zu vermeiden, die Vierklänge
sollen in einem getragenen Tempo Rubato aufeinander folgen.
Die Reihenfolge der Vierklänge ergibt sich aus dem Prinzip, daß vom
Vierklang (einer) der komplett einfarbigen Fläche(n) ausgegangen, und stets
zu einer angrenzenden Fläche fortgeschritten wird.
Die Organisation der Vierklangsfolgen gestaltet sich instrumentenspezifisch:
Auf monophonen Instrumenten werden die 4 Töne jedes Vierklangs auf die
4 Instrumente zu verteilen sein, während bei einer Interpretation auf polyphonen
Instrumenten die Vierklänge auf nur 3 der Mitwirkenden verteilt werden
soll, damit der/die Vierte frei bleibt, einen Kontrapunkt im äquatorialen
6-tönigen Modus improvisieren.
Gitarren: |
r, b, p |
Bass: |
g |
Abgesehen vom Vierklangfolgen-Spiel, wo eine
klangliche Anpassung unter den 3 Gitarren wünschenswert erscheint, ist
reichhaltigste Klangvielfalt anzustreben. Jeder neue Zustand des Rubik’s Cube
sollte sich auch in einem neuen Sound-Cocktail präsentieren. Allen vier
Instrumenten kommen (abgesehen vom Drei- und Vierklangfolgen-Spiel) auch stets
vier unterschiedliche Aufgaben zu, sodaß klanglicher Kontrast durchaus
angebracht ist.
Percussiv-geräuschhafte Spielweisen: |
|
»Flächige« Spielweisen: |
Palm mute |
|
E-bow |
Die Vierklänge werden alternierend auf
die 3 Gitarren aufgeteilt (empfohlene Reihenfolge: R - B - P...), während
der Bass im äquatorialen Modus improvisiert.
Für das Vierklangfolgen-Spiel sollten für alle 3 Gitarren klanglich
ähnliche Einstellungen gefunden werden.