schlicht und raumgreifend
Drei Stücke aus dem Grenzbereich zwischen Musik und Theater
Dieter Schnebel: Körpersprache
(1979/80) - Organkomposition (30 Min.)
Dieter Schnebel zeigt in Körpersprache, dass
Körperbewegungen an sich schon als Musik aufgefasst werden können. Der
Komponist unterscheidet in seiner »Naturgeschichte der menschlichen
Bewegungen« zwischen positiven (dem Leben zugewandten) und negativen
(dem Leben abgewandten) Aspekten von Bewegung.
In der Realisation durch Cone_3 werden einzelne Bewegungen über
Lichtsensoren in Klang umgesetzt. Die ganze Aufführung wird von einem
Video (»Fingerübungen«, »Zehen- und Fußstudien«...) in Klang und Bild
kontrapunktisch begleitet.
Mauricio Kagel: Unter Strom
(1969) -
für Gitarre, E-Gitarre, E-Bass, Stahlharfe, Megafon, Sirenen,
Autohupen, Summer, Rotoren u.v.a. (20 Min.)
Unter Strom ist ein Klassiker aus der Zeit des
Experimentierens in den späten 60er Jahren mit durchaus auch
meditativem Charakter. Die Entstehungsgeschichte dieser Interpretation
fließt ebenfalls in die Aufführung mit ein.
Die formalen Verläufe verlieren in Unter Strom an Strenge, denn die
Theatralik der skurrilen instrumentalen Prozesse gewinnt dermaßen an
Selbständigkeit, dass sie selbst die Form bilden. Apparate werden an-
und abgestellt, beginnen zu klingen, regen anderes zum Klang an, selbst
die Saiteninstrumente werden ausschließlich mit strombetriebenen
Maschinen gespielt. Der Schall führt Eigenleben, steht »unter
Strom«, wischt einem leicht eins aus.
Samuel Beckett: Quad [I+II]
(1982) - for 4 dancers/walkers and percussion (22 Min.)
Quad ist
vor allem existenzialistisches Theater. Die Version von Cone_3 arbeitet
mit einem virtuellen vierten Ausführenden, dessen Präsenz sich aus
Klang und Licht ergibt.
Die minimalistische Choreografie, die lediglich aus dem Abschreiten
eines Quadrats und dessen Diagonalen besteht, entwickelt ihren Reiz in
scheinbar unerschöpflicher Kombinatorik.
Farbiges Licht und perkussive Musik – nach den Vorgaben des Autors live
vom Computer generiert – begleiten die absurde Szene »...seltsamer
Figuren auf der Suche nach dem spielerischen Nichts.«
Letzte Änderung: 7. August
2004