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Seit der Gründung des Cone Quartet's im Jahr 1996 wurden, in mehrfach wechselnder
Besetzung, eine Reihe von Werken einstudiert. Zum Teil handelt es sich
dabei um Arrangements von Kompositionen für freie Besetzung, zum Teil
auch um Auftragswerke, die vom Cone
Quartet zur Uraufführung
gebracht worden sind.
Nur ein Teil des Repertoires findet in den aktuellen Projekten von Cone_3Berücksichtigung.
Die
Partitur zu diesem Werk für Gitarre, E-Gitarre, E-Bass und eine große
Anzahl aufwendiger, strombetriebener Nebeninstrumente (Autohupen,
Sirenen, LKW-Gebläse, Megafon, Stahlharfe 3 m lang etc.) ist laut
Auskunft des Komponisten im Laufe der Jahre unleserlich geworden und
eine Aufführung im klassischen Sinn aus diesem Grund unmöglich, sodass
wir uns entschlossen haben, ein Stück über dieses Stück zu machen,
– eine multimediale Annäherung sowohl an diese Komposition wie
auch an diese Situation zu wagen (mit zusätzlichen Ton- und
Textzuspielungen).
Trotz aller Festlegung verlieren die formalen Verläufe in »Unter Strom«
an Strenge, denn die Theatralik der skurrilen instrumentalen Prozesse
gewinnt dermaßen Selbständigkeit, dass sie selber die Form bilden.
Apparate werden an- und abgestellt, beginnen zu klingen, regen anderes
zum Klang an; auch die Saiteninstrumente werden öfter mit Maschinen
bespielt.
Der Schall führt Eigenleben, steht »unter Strom« – wischt
einem leicht eins aus.
Dauer 20 Minuten.
für 4
Wassergongs
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Erz und Wasser entstand im Sommer
1996 als Beitrag für das erste Komponistenforum Mittersill , dessen Thema Musik und Natur lautete.
Mit Erz und Wasser habe ich mir gleich 3 Wünsche erfüllt:
wollte ich ein Stück schreiben, das auch für eine Aufführung unter freiem Himmel geeignet ist
wollte ich mit einem möglichst elementaren, »naturbelassenen« Materialklang musizieren
hatte mich schon seit längerer Zeit der Gedanke gereizt, (innerhalb einer Komposition für Schlaginstrumente) der Choreografie der Spielbewegungen einen ebenso hohen Stellenwert einzuräumen wie dem klanglichen Geschehen.
W. S.
Wolfgang Seierl : Schwarzer PeterDie Grundidee von Schwarzer Peter war, den durch bestimmte formale Gegebenheiten und Spielregeln organisierten Ablauf des Kartenspieles Schwarzer Peter als Grundlage für die Organisation von musikalischem Material zu verwenden.
In der Fassung für 4 Gitarren (1998) soll in oben genanntem Sinn wirklich gespielt werden. Auf den “Spielkarten” sind die musikalischen Aktionen notiert. Sie liegen - wie im sogenannten “Fächer” - auf den Notenpulten. Jeder Musiker spielt nun sein Blatt, also die durch Zufall ausgewählten und aneinandergereihten Aktions-bzw.Partiturbilder, von denen immer jeweils zwei ähnliche Strukturen aufweisen (Variation), – die Karte “Schwarzer Peter” ausgenommen. Hat einer ein Paar, das heißt einander ähnelnde musikalische Ereignisse zu spielen, dann wiederholt er diese und legt sie daraufhin weg. Im Unterschied zum Kartenspiel ist das Ziehen jeweils einer Karte vom Nachbarn bzw. das Weglegen der Paare eine von allen Spielern gleichzeitig ausgeführte Aktion, die das ebenfalls jeweils gemeinsame Spiel des Blattes unterbricht. Die Karte “Schwarzer Peter” vermittelt eine musikalische Aktion, die keinerlei Entsprechungen in den anderen Karten hat, also am Schluß übrigbleiben muß. So entsteht eine durch die Aktion des Spielens erzeugte, zunächst durch Zufall bestimmte Streuung des musikalischen Materials, das schrittweise in einer Art und Weise in eine Ordnung gebracht werden soll, die akustisch nachvollziehbar ist und gleichzeitig, ebenfalls nachvollziehbar, im Element des Nicht-Einordenbaren (“Schwarzer Peter”) gleichzeitig eine Art Störfaktor in sich trägt. Im ursprünglichen Sinn der Verlierer, hat er hier quasi das letzte Wort und kann zu einer zweiten Spielrunde überleiten. Es ist die Thematisierung des Außenseiters, eines quasi regulativen Prinzips in starren Ordnungssystemen.
Fassung für Gitarrenquartett
Vergleichbar der organischen Evolution, deren kreative Kraft letztlich in Kopierfehlern der DNS verborgen liegt, werden Fehler bei der exakten Einhaltung der Spielregeln zum wichtigsten Gestaltungssparameter in Les moutons de panurge. So sind es erst menschliche Fehler, die das strenge Unisono in lebendige Heterophonie auffächern.
Wilfried
Satke : Rubik’s Cube's
Process 1998/99für 3 E-Gitarren und Bass
Dabei handelt es sich um eine teilweise improvisatorische Form eines Zwölftonspiels, bei dem das Tonmaterial durch einen Rubik’s Cube determiniert wird, dessen zwölf Kantensteine den zwölf Tönen der temperierten chromatischen Tonleiter zugeordnet sind.
Während eines Lösungsganges vom chaotischen zum geordneten Würfel nimmt der Rubik’s Cube an die 100 verschiedene Zustände an, die wiederum unterschiedlich interpretiert werden können:
- In jedem Zustand repräsentiert jede der sechs Flächen einen Vierklang.
- In jedem Zustand gruppiert sich um jede der acht Ecken ein Dreiklang.
- Werden die sechs Flächen in einer definierten Reihenfolge und Richtung nach einer bestimmten Farbe “abgescannt”, läßt sich aus der Streuung dieser Farbe ein rhythmisches Muster ermitteln.
- In jedem Zustand repräsentiert ein “Diagonal-Äquator” (zwischen zwei “Eckpolen”) einen sechstönigen Modus.
Je nach erreichtem Ordnungsgrad [z.B. eine oder mehrere (komplett oder teilweise) einfärbige Flächen], wird der Zustand des Würfels in verschiedenen Spielweisen in Klang umgesetzt, wobei den Ausführenden entweder die Dreiklänge der Ecken, die Vierklänge der Flächen und/oder die rhythmische Struktur (aus der Verteilung einer bestimmten Farbe ermittelt) als Improvisationsmaterial zur Verfügung stehen.
Mikado I - für Computer und midi-equipment
ist eine in Building Blocks programmierte Struktur, die autonom Musik generiert, jedoch auch für Interaktion offen ist. In dieser 1. Phase kann von “ambient music” gesprochen werden.
Mikado II - für Computer, midi-Gitarre und 2 E-Gitarren
Die 3 Musiker treten via midi mit dem Programm in Interaktion, beeinflussen und erweitern die bis dahin autonom computergenerierte Musik.
Meilenstein der Minimal Music und einflußreichstes Werk Rileys blieb »In C«, eine Komposition aus dem Jahr 1964, mit der er die Tonalität neu dedinierte.
Das Prinzip von “In C" ist denkbar einfach - und es war bahnbrechend für die Zeit, in der es entstand: 53 einzelne Klangmodule –alle in C-Dur (bzw. C-lydisch und C-mixolydisch)– werden von den Aufführenden nacheinander gespielt, wobei der Zeitpunkt des Wechsels von einem Modul zum nächsten jedem Musiker selbst überlassen bleibt. So dauert es mindestens 40, oft aber über 90 Minuten, bis das Ende des Stückes an jenem Punkt erreicht ist, an dem alle Instrumentalisten das dreiundfünfzigste Modul erreicht haben.
»In C« war Mitte der sechziger Jahre nicht nur wegen seiner Aufführungspraxis revolutionär -in Rileys Komposition ist weder die Anzahl der Musiker, noch die Instrumentation angegeben-, sondern auch wegen der benutzten Klangtechnik: Dabei feierten die repetetiven Tonschleifen nicht nur von der Avantgardemethode der Zwölftontechnik radikalen Abschied, mit »In C« glückte es Riley auch als erstem, die Minimal Music auf die Plattenteller der Clubs zu bringen.
Diese graphische Partitur trägt die Widmung »dem A(h)tmen« und erfährt ihre Realisation in einer Version für Idiophone und (mit E-Bow gespielten) E-Gitarren.
Die Partitur stellt 16 Quadrate dar, deren Basislinien durch »ein Fragment des Ganzen« angedeutet ist.
»Ein Strichfragment unterteilt die Horizontale in ein Davor (vor dem Strich), in ein Dazwischen (der Strich selbst) und ein Danach (nach dem Strich).«
Die Ausführenden bewegen »sich«, jede(r) in einer anderen Leserichtung und jede(r) im eigenen, zeitlich unabhängigen Puls in 6 Sequenzen durch die Partitur, wobei dem Davor, dem Dazwischen und dem Danach (in 2 Sequenzen auch der vertikalen Seite) ein anderes Ton- oder Klangereignis (bzw. eine Pause) zugeordnet wird. Diese Zuordnung ist für jede(n) Ausführende(n) eine andere und variiert auch mit jeder Sequenz.
Anfang der 80er-Jahre hörte ich Ernst Jandl's Gedicht Auf dem Land in des Meisters wortgewaltigem Vortrag. Seither hat mich dieses Gedicht nicht mehr losgelassen, hat es sich in meinem Alltag breit gemacht:
Wenn die Kinder ihre Sache bedenklich weit trieben, sprach ich:Rack ack ack ack ack ack ack ack er
rack ack ack ack ack ack ack ack ern.Wenn mich die Hexen meiner Umgebung verhexten, entfuhr mir:
Hex ex ex ex ex ex ex ex en
hex ex ex ex ex ex ex ex en.So war es längerfristig einfach unausweichlich, daß dieses Gedicht auch in meinem musikalischen Schaffen Platz greifen werde. Eine Textvertonung kam mir dabei nie in den Sinn. Ein »Variationswerk« erschien mir schon als reizvollere Aufgabe, wobei keineswegs die Worte (oder gar deren Inhalt) das »Thema« ausmachen konnten, sondern die besondere Art, mit den Worten umzugehen, im Wesentlichen also Fragmentierung, Rhythmisierung und ostinate Repetition.
Das scheinbar einsätzige Stück besteht aus sieben überlappenden Teilen, deren jeder auf eine eigene, charakteristische Art die Techniken der Fragmentierung, Rhythmisierung und Repetition variiert. Als Instrumente werden neben der Sprechstimme auch Angklung, E-Gitarre, Tom Tom, Metronome und Werkzeuge eingesetzt.W.S.
Peter Handkes Weissagung entstand 1964 als Stück für vier Sprecher, ohne Handlung, ohne Szenenbilder und ohne Requisiten, hat die Sprache (genaugenommen die Inhaltsleere unserer Umgangssprache und deren Metaphern) selbst zum Inhalt und ist »nach den Klangelementen der Beatmusik« der Sechzigerjahre gebaut. Genau dieser letztgenannte Aspekt war Anknüpfungspunkt und Anreiz für das Cone Quartet, eine musikalisch akzentuierte Interpretation für vier Sprecher mit Instrumenten zu liefern:
Ausgerüstet mit TomTom, E-Gitarre, E-Bass und einem Set von metallenen Perkussionsinstrumenten, begleiten die vier Sprecher ihren Vortrag selbst. Dass dabei auch musikalische Entwicklungen und Stile berücksichtigt werden, die erst nach 1964 an Bedeutung gewonnen haben (z.B.: Funk oder Rap), ist naheliegend.
entstand 1995 im Auftrag der NÖ Landesregierung aus Anlaß des 50. Todestages Anton Weberns. Die Erstfassung ist als Klangrauminstallation im Freien mit 4 Lautsprechern und einer Darstellerin konzipiert und wurde am 16.September 1995 am Mittersiller Sonnberg mit Katharina Spitzer-Czernin als Solistin und Choreographin uraufgeführt.
Den 4 Stimmen dieser Arbeit liegt Tonmaterial aus der sogenannten letzten Reihe Weberns zugrunde. Weitere Elemente sind Texte von Friedrich Hölderlin, Rainer Maria Rilke und Wolfgang Seierl sowie Fragmente aus Anton Weberns »Entflieht auf leichten Kähnen« für Chor. Inhaltlich geht es in dieser Arbeit um das Vorbeiziehenlassen der Gedanken während eines fiktiven Spaziergangs und um Lebens- wie Todeserfahrung.
Die Fassung für das Cone Quartet ist eine aus dem bestehenden Material vollständig neugestaltete Arbeit. Ein Großteil der in der Urfassung vom Tonband zugespielten Klänge und Texte werden vom Quartett live (4 E-Gitarren, Sing-und Sprechstimmen) gespielt. Aufführungsdauer ca.24 min.
Sie wurden für das Quatuor des Guitarres de Versailles geschrieben und von diesem 1992 in Paris uraufgeführt. Die österreichische Erstaufführung erfolgte am 24. April 1997 in Krems durch das Cone Quartet.
Die Bezeichnungen der 5 Sätze (Beharrlich - Träumerisch - Motorisch - Sphärisch - Tänzerisch) geben zugleich auch eine Charakteristik der einzelnen Teile. Besonders hingewiesen sei auf den 4. Satz, der zum Großteil aus Flageolett-Tönen besteht, sowie auf die Jazzanklänge des letzten Satzes.
Das Stück besteht aus vier Teilen, mit einer Korrespondenz zwischen 1 + 3 sowie 2 + 4, was nicht mit der formalen Darstellung der Struktur zu tun hat, sondern in der klanglichen Behandlung der Gitarren liegt. 1 + 3 stellen mehr den linearen Verlauf von Tonhöhen dar, während 2 + 4 sich mit Gedanken eines perkussiveren Spieles beschäftigen.
In Anlehnung an die Kompositionstechnik von George Crumb versuche ich klangliche und strukturelle Entwicklung von Klavier und Perkussion unter Anwendung verschiedenster Spieltechniken der zeitgenössischen Musik auf vier akustische Gitarren umzulegen. Als Vorlage verwende ich das Stück »Music For A Summer Evening« (Makrokosmos III), aus dem auch teilweise melodische Zitate anklingen.
entstand 1995 für das Pariser Ensemble Quatuor de Guitares de Versailles, von dem es auch am 2. November 1996 in Verona uraufgeführt wurde.
Wie auf Schienen - wie auf Nadeln - wie auf Wolken - auf dem Teppich; – vier zutiefst menschlich-psychische Zustände, vier Erfahrungen im Leben des/der Gitarristen/in.
Quatuor de Versailles will mehr als ein Stück zum Hören sein: Ob es nun einfach synchrone Bewegungen (1. Satz), theatralische Gesten (3. Satz) oder durchorganisierte Bewegungsabläufe (4. Satz) sind, stets sind kleine Momente im Spiel, die auch das Auge erfreuen wollen.
Die ursprüngliche Version für E-Gitarre und 4 Lautsprecher entstand 1993 während eines Stipendium-Aufenthaltes im Virginia Center for the Creative Arts im Auftrag des Österreichischen Ensembles für Neue Musik für die sogenannten Klangmobile, das sind die vom Salzburger Künstler Otto Beck kreierten Fahrräder mit integrierten Lautsprechersystemen.
Die Adaption des Stückesfür E-Gitarrenquartett entstand 1997 auf Anregung des des Cone Quartets.
"To the ground" ist polyphon angelegt, die für die ursprüngliche Fassung maßgebende raumbezogene Komponente ist in der Komposition berücksichtigt. Die aktuelle Fassung verzichtet auf alle nicht von den E-Gitarren erzeugten elektronischen Klänge der Urversion.
Der Titel meint als dieses "zum Boden" ein Zurück zu den Wurzeln, die - etwa für meine Generation in den 70ern - vielfach von der Ästhetik des E-Gitarrespiels als Ausdruck einer ganzen Weltanschauung geprägt sind.
entstand 1997 im Auftrag des Cone Quartet's.
Es handelt sich um eine fünfteilige Aktionspartitur, die Reihenfolge der einzelnen Abschnitte ist den Interpreten freigestellt.
Jeder der fünf Teile thematisiert bestimmte Spieltechniken, größtenteils vom Komponisten selbst entwickelt, und hat auch diverse elektronische Praktiken zum Inhalt. Innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens bleibt ein hohes Maß an Improvisationsfreiheit. In den beiden »Flächen«-Sätzen etwa wird von jeweils drei Gitarren eine Klangfläche aufgespannt, auf der sich die vierte Gitarre als »Libero« in herausragender Weise bewegen kann.
entstand im Frühjahr 1998 für das Cone Quartet. Wie im »wirklichen Leben« dauert es auch bei diesem Wiegenlied eine Weile bis das ziemlich aufgekratzte Kind zur Ruhe findet und einschläft.
Nach einem verbalen Kommentar zu Lullaby gefragt, zitiert der Komponist ein Gedicht von Konrad Bayer:Plötzlich ging die Sonne aus wie eine Gaslaterne.
Und ein Rauchpilz zischte auf. Es war nicht gar so ferne.
Dann trocknet mir das Rückgrat ein. Ich denk mir, das wird heiter.
Das kann doch bloß der Anfang sein, da ging’s auch fröhlich weiter.
Der Mond fiel auf die Erde drauf mit kosmischen Geknalle.
Der Horizont schob sich zuhauf, jetzt sitz’ ich in der Falle.
Mir platzt das dritte Äderchen. Das Blut schießt aus den Ohren.
Ich denk’ mir, liebes Väterchen, gleich kommt es aus den Poren.
Und während mir die Haut abgeht und ich mich sacht verkrümme
und rechts und links die Welt vergeht, da hör’ ich eine Stimme:
Liebster, sag mir, liebst du mich? Sag mir, laß mich’s wissen.
Ich, du weißt es, liebe dich, und ich will dich küssen.
Letzte Änderung: 22.
Sept. 2003