[...] Der Sprung in die fremde Kultur gleicht so
dem Sprung aus der Geschichte, er ist nur bei Strafe der
Beziehungslosigkeit zwischen den Mitteln der Darstellung und dem
Dargestellten möglich. Der Reiz des Fremden allein kann diese
Beziehungslosigkeit nicht verdecken, die entstehenden Assimilate
»funktionieren« daher meist nicht. Ohne Zweifel gibt es Gegenbeispiele,
die Zeugnis einer fruchtbaren Auseinandersetzung, einer Erweiterung des
musikalischen Denkens sind [...].
Wilfried Satke dürfte mit seinem Stück »Gendhing« für vier Schlagwerker
und Violoncello � der Titel ist ein Gattungsbegriff aus der javanischen
Gamelanmusik � ein solch seltenes Gegenbeispiel gelungen sein. Das Werk
wirkt äußerst geschlossen, alle Stilmittel dienen einem einheitlichen
musikalischen Gestus. Der Komponist bezeichnet »Gendhing« als den
»Versuch, heterophone Strukturen, wie sie in der Gamelan-Musik
gebräuchlich sind, auf europäische Instrumente (und somit auch auf das
europäische Tonsystem) zu übertragen«. Direkt übernommen werden aus der
Gamelanmusik nur ein Instrumentationsprinzip, nämlich die Einteilung in
drei Instrumentengruppen, sowie der formale Rahmen. Dem Violoncello
fällt dabei der Part der Melodiegruppe zu, es ersetzt gleichsam die
zweisaitige Streichlaute »rebab«. Das dritte Schlagzeug entspricht der
Gonggruppe, wie im »gendhing« markiert der Schlag auf einen javanischen
Gong das Ende der Einleitung und der einzelnen - hier zwölf -
Abschnitte. Diese recht fassliche Form wird durch die kunstvolle
Handhabung verschiedener 6- bis 8-töniger Modi zum Leben erweckt; durch
das Changieren zwischen verschiedenen Metren, die einander zum Teil
überlagert sind entsteht ein flirrendes und doch zugleich meditatives
Klangbild. [...]
Stefan Jena in der Österreichischen Musik Zeitschrift
2/1993
Satkes »modèle modal« für die aparte Besetzung von Flöte, Harfe und Orgel schwelgt in raffiniert ausgehörten Harmonien und verströmt betörenden modalen Duft nach Olivier Messiaen, ohne von dem charismatischen Klangmagier ganz abhängig zu werden.
Edwin Baumgartner in der Wiener Zeitung, 18. Februar 1993
Einen Schritt weiter geht Wilfried Satke [...] mit seiner »Reduktion«. Die Gitarrenklänge wandeln sich zu Geräuschen und verstummen, die Spieler führen die Gedanken in pantomimischer Bewegung zu Ende.
Robert Wolf in der Salzburger Volkszeitung, 26.
Jänner 1994
Dass die im Grunde urtümliche Harfe nur sieben Töne zu spielen in der Lage ist, macht sich Wilfried Satke insofern zunutze, als er die damit verbundene archaisierende Stimmung durch unterschiedliche rhythmische Schichtungen belebt. Dabei entstehen eingängige und doch ganz modern oszillierende Klangfelder, die der Harfe überraschende Leuchtkraft verleihen [...].
Christoph Sramek in der Freien Presse, 25. April 1994
Deutlich aufregender kam allerdings Wilfried Satkes »Suite für Harfe« daher. Wilfried Satke, [...] an jenem Abend anwesend, flocht ein interessantes Gewebe aus meditativen Klängen und jazzigen »blue-notes«. Diese Suite machte eine große Wirkung, daran hatte die hervorragende Solistin Katharina Hanstedt entsprechenden Anteil.
Thomas Berlin in der Süddeutschen Zeitung, 25. April 1994